Freie Presse / 18.11.11: “Fußball allein macht nicht glücklich”

Die Würfel sind gefallen, die Zukunft des Westsachsenstadions ist besiegelt

Zwickau. Muss es wirklich ein Beachvolleyball-Platz sein? An dieser Frage rieben sich während der Stadtratssitzung zur Zukunft des Westsachsenstadions die Gegner auf. Dabei steht noch gar nicht fest, ob es auf der Halde tatsächlich einen gut 120 Quadratmeter großen Sandkasten geben soll – sagte Baubürgermeister Rainer Dietrich (CDU).

Linke wollen abspecken

Fakt ist, dass die Stadt nicht nur einen Fußballplatz im Stadion baut. Das sagte Dietrich auch – sehr zum Ärger der Fraktion der Linken. Deren Mitglieder hatten versucht, noch kurz vor der Abstimmung ihre Ratskollegen davon zu überzeugen, dass ein reines Fußballstadion nicht nur die preiswerteste Variante ist, sondern auch die sinnvollste. Fraktionschef Thomas Koutzky bezweifelte, dass es ohne den schon erwähnten Beachvolleyball-, einen Basketball- sowie einen Tennisplatz und zwei Rasenvolleyballplätze nicht gehen soll. “Wie lange wollen Sie uns noch Halbwahrheiten erzählen”, fragte er Rainer Dietrich. “Für wie dumm halten Sie eigentlich den Rat und die Bürger?” Koutzky bezeichnete die Pläne als “ein Sammelsurium Ihrer Planer, Projektentwickler oder sonst wen”. Zwar stand besagte Anlage zum Beschlussvorschlag, in der die Kosten für die unterschiedlichen Spielflächen einzeln aufgelistet sind, kurzfristig doch nicht zur Abstimmung, aber das konnte die Linken nicht beschwichtigen.

Hintergrund dieser Vorwürfe ist die Aussage der Stadtverwaltung, dass der Freistaat die bereits ausgezahlten 3,2 Millionen Euro Fördermittel zurückverlangen könnte, wenn die Stadt auf der Halde kein Breitensportangebot schafft – und damit gegen den städtebaulichen Vertrag verstößt. Laut Koutzky umfasst die Definition für Breitensport jegliche sportliche Tätigkeit, die nicht wettkampfmäßig betrieben wird. Von einem möglichst vielseitigen Angebot könne keine Rede sein, so Koutzky.

Dresden will das volle Programm

Dem widerspricht Baubürgermeister Dietrich allerdings nach wie vor: Für ein reines Fußballstadion gebe es aus Dresden keinen Cent. Auch die ursprüngliche Planung, aus dem Westsachsenstadion eine drittligataugliche Anlage zu bauen, hatte mehr als Fußballer im Blick gehabt. Denn links und rechts des Turmes sollte nicht nur Platz für Ehrengäste und Polizeibeamte geschaffen werden. Es waren auch Trainingshallen für Tänzer, Judoka und Aerobicsportler geplant, sagte Dietrich. “Schon damals hieß es: Ein reiner Rasen reicht nicht für die Förderung.” Ob aber wirklich ein Tennisplatz gebaut wird, ist laut Dietrich noch offen. “Wir müssen das mit der Sächsischen Aufbaubank im Einzelnen abstimmen.”

Fest steht dagegen schon, dass die Arbeiten im Stadion insgesamt 5,5 Millionen Euro kosten werden. Auf diesen Betrag hat sich der Rat letztlich geeinigt – mit der Maßgabe, dass der Eigenanteil der Stadt bei höchstens 2,5 Millionen Euro liegt. Ein Vorstoß des Bauausschusses, die Eigenanteil auf 2,2 Millionen Euro zu begrenzen, war zuvor gescheitert. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) sagte zur Finanzierung kategorisch: “Die Ausgaben lassen sich nicht weiter drücken, egal ob wir einen Beachvolleyballplatz bauen oder nicht.”


redkaos.de: Bilder der Demo


Ciao WeSa – Ein Kommentar

Selbst 260 Demoteilnehmer konnten gestern den rollenden Zug nicht mehr aufhalten. Unser geliebtes und derzeit verschandeltes Westsachsenstadion ist als Spielort Geschichte. Ende der letzten Spielzeit wurde fleißig um freiwillige Helfer geworben, die die Tribünen an der Geinitzstraße abbauen, damit einerseits im Sojus ein Übergangsstadion errichtet werden und b) der eigentliche Umbau beginnen konnte. Schon damals weinten einige WeSa-Virus-Infizierte der alten Atmosphäre der Stahlrohrtribünen nach, Andere hingegen freuten sich auf das neue Stadion nach dem Umbau, welches sich wohltuend von billigen Wellblecharenen der restlichen Republik abgehoben hätte. Es wäre ein Zwickauer Alleinstellungsmerkmal geblieben. Nun stehen diese beiden Fraktionen wieder zusammen und müssen sich die nächsten Jahre mit den Eckersbacher Traversen abfinden. Im Westsachsenstadion wird es nie wieder höherklassigen Fußball geben. Stattdessen entsteht dort nun eine Eventanlage mit Beachvolleyball- und Tennisplätzen.

Mich betrübt es, dass alle nachrückenden Generationen nie wieder in den Genuss unserer alten Spielstätte kommen werden. Denn das Westsachsenstadion war etwas Essentielles für unseren FSV. Es war seine Heimat. FSV und WeSa gehörten untrennbar zusammen. Nun wurde diese Verbindung gekappt, der FSV muss irgendwo im restlichen Stadtgebiet seinen Platz finden oder zu Not auch mal in eine andere Stadt ausweichen, sofern ein Highlightspiel ins Haus steht.

Die alte Heimat wird kein Ligaspiel der ersten Mannschaft mehr erleben. Diese Entscheidung ist gestern für Viele nicht überraschend gefallen. Zu lang waren die Beteiligten schon am Rudern, zu viel stand bei einem Scheitern des Änderungsantrages auf dem Spiel. Mich persönlich stört vor Allem das “Wie” – es passiert ist. Die Show im Stadtrat bot so viel Ignoranz, gewolltes Unwissen und Unfähigkeit, wie man es sich nur schwer vorstellen kann. Die Grundlage auf der diskutiert wurde, war löchrig wie schon in den letzten Monaten zuvor. Argumentiert wurde nicht auf der Basis von Fakten, sondern anhand von Emotionen. Allgemeinplätze über den Baugrund machten die Runde. Der kurz vor Sitzungsbeginn, auch bei vielen Stadträten der beteiligten Fraktionen, erst bekannt gewordene Antrag der SPD/Grüne, LINKE und CDU für das Bekenntnis zum Neubau, machte alles Weitere hinfällig.

Was sagt uns das? Über das Vergangene wollen wir Stadträte nicht mehr reden. Verantwortung für begangene Fehler muss in der Stadt Zwickau keiner tragen. Wir erklären das Areal des Westsachsenstadions einfach als quasi nicht bebaubar. Kosten und Gutachten machen wir, beziehungsweise die daran direkt beteiligten Personen, so, dass uns das Ergebnis in den Kram passt. Schwamm drüber, wir bauen bestimmt in den nächsten Jahren ein neues Stadion, damit ist die Öffentlichkeit beruhigt. Damit wahren wir unser Gesicht und das der Stadtspitze. Einfach weitermachen.

Insbesondere bei der kleinen Einlage “Offenheit” der Oberbürgermeisterin musste man sich fragen, ob die Dame wirklich so stumpf denkt oder ob es Teil der Show ist. So derartig weit am Thema vorbeizureden, mir zog es die Fußnägel nach oben. Mir wird schlecht, wenn ich sehe wie in meiner Stadt Politik gemacht wird.

Es besteht kein Interesse an einer ernstzunehmenden politischen Diskussion mit allen Beteiligten.

Gut nur, dass sich gestern wenigstens der Sprecher des Präsidiums des FSVs freuen durfte. Seine Pläne…Entschuldigung, die der Stadtverwaltung, werden umgesetzt. Egal ob Vereinsmitglieder, Fans, Bürger oder der Stadtrat – ihre Meinung und Interessen scheinen vollkommen egal. Der Stadtrat lässt sich in der letzten Konsequenz soundso von der Ansage der “Verwaltung” leiten und durch ist der Lack.

von klr


Freie Presse / 09.11.11: “Profis verlassen die Halde für immer”

Das Westsachsenstadion wird zur Breitensportanlage umgebaut

Zwickau. Aller Protest von Fußball- und Westsachsenstadion-Fans vor der Sitzung, alles Rechnen der Fraktion Demokratische Allianz Zwickau (DAZ) hatte nichts genutzt: 20 Uhr stand am Dienstag fest, dass die Halde nicht in ein modernes Profistadion umgebaut wird. Statt dessen soll eine neue Anlage auf der grünen Wiese entstehen.

Dem vorausgegangen war eine teils leidenschaftlich, manchmal mit Häme geführte Debatte über Zahlen und Halbwahrheiten. Die rund 200 Demonstranten, die sich schon lange vor der Sitzung getroffen hatten, verfolgten das Spektakel von der Empore und von den Seiten des Bürgersaals aus. Ihre Sympathien lagen eindeutig bei der DAZ. Aber deren Vorschlag, das Westsachsenstadion schrittweise doch noch auszubauen, fand keine Unterstützung. SPD-Fraktionschef Jens Heinzig etwa stützte sich mit seiner Ablehnung auf die Stellungnahme des Instituts für Sportstättenberatung, das bereits im August geschrieben hatte, eine Tauglichkeit für die dritte Liga sei im Westsachsenstadion “nur bedingt” zu erreichen.

Doch die Diskussion drehte sich auch um Grundsätzliches. Um die Frage nämlich: Wie konnte es so weit kommen. Heinzig: “Hätte das Hochbauamt nicht schon eher wissen müssen, dass die Kosten unverantwortbar hoch sind?” Und als Stadtrat selbst sollte man künftig wohl weniger blauäugig, dafür kritischer sein. “Vor allem, wenn die Beschlussvorschläge so schön ausformuliert sind.” In diese Kerbe schlug auch Ute Brückner (Linke): “Es ist für uns schon wichtig, dass wir alle Informationen bekommen. Das ist nicht immer der Fall.” So wurde erneut gesagt, man wolle nicht nach Schuldigen suchen. “Ich sehe das anders”, sagte Brückner. Am Ende gab es aber keinen Antrag, der zur Suche und Bekanntgabe hätte verpflichten können.

Statt dessen stellten sämtliche Fraktionen außer der DAZ den Antrag, über das endgültige Ende der Stadionsanierung hinaus einen Neubau zu beschließen. Das Stadion soll den Erfordernissen der dritten Liga entsprechen, und vor dem Bau hat die Stadt einen umfangreichen Prüfungskatalog abzuarbeiten. In Erweiterung dieses Ansinnens stellte Thomas Gerisch (DAZ) daraufhin den Antrag, dann gleich ein Zweitliga-Stadion zu bauen. Das fand allerdings wiederum nur bei den Zuschauern Beifall. Mario Pecher etwa fragte die DAZ nach dem Sinn: “Die spielen fünfte Liga”, sagte er mit Blick auf den FSV Zwickau. Der Antrag fiel schließlich durch. Jens Heinzig zumindest begründete seine Stimmenthaltung damit, dass der Unterschied von Dritt- zu Zweitligatauglichkeit nicht so gravierend sei, dass man ein Stadion nicht noch entsprechend aufbessern kann.


Radio Zwickau / 08.11.11: “Aus für Wesa als Fußballarena besiegelt – Neubauentscheid im März”

Im Westsachsenstadion werden nie wieder höherklassige Spiele angepfiffen. Am Dienstagabend verabschiedete sich der Stadtrat aus Kostengründen vom Ausbau zur drittligatauglichen Fußballarena. Stattdessen wird das Wesa für bedeutend weniger Geld als Multifunktions-Sportanlage hergerichtet – mit Kunstrasen, Beachvolley- und Tennisplätzen. Etwa 150 FSV-Fans hatten vor der Sitzung friedlich für den Ausbau des alten Stadions demonstriert, viele verfolgten später auch die Abstimmung. Mit der Ratsentscheidung wurde auch der erste Schritt hin zu einem Neubau auf der Grünen Wiese getan. Im März soll der Grundsatzbeschluss gefasst werden. Bis dahin soll die Stadt alles gründlich vorbereiten und vor allem die Standortfrage klären.

Alle 17.00 Uhr vor das Rathaus!

Unter dem Motto “Für den Erhalt des Westsachsenstadions” startet heute vor der relevanten Stadtratssitzung die Demonstration vor dem Zwickauer Rathaus. Werbt dafür nochmal kräftig in eurem Freundes- und Bekanntenkreis für die Teilnahme an der Demo, damit wir vor den Stadträten die Bedeutung unseres Westsachsenstadions nochmals unterstreichen könne.

Im Anschluss geht es zur öffentlichen Sitzung im Rathaus. Diese kann von Allen mitverfolgt werden. Um den Sitzungssaal werden Stühle und Lautsprecher aufgestellt.

Wie üblich herrscht auf der Demo Glasflaschen-, Alkohol- und Hundeverbot.


Freie Presse / 08.11.11: “Stadtrat ist in Stadionfrage gespalten”

Stadtrat entscheidet am Dienstag über Westsachsenstadion

Zwickau. Selten ist eine Stadtratssitzung mit so viel Spannung erwartet worden, und selten war der Ausgang der Abstimmung so ungewiss: Mit der Sondersitzung wird sich entscheiden, ob das Westsachsenstadion zu einer Sport- und Freizeitanlage umgebaut wird oder ob es dabei bleibt, dass aus dem Westsachsenstadion eine Fußballarena wird. Wobei ungewiss wäre, wie die dann aussieht.

Oberbürgermeisterin warnt

Die Stadtspitze hat sich längst von der Fußballarena Westsachsenstadion verabschiedet, favorisiert stattdessen einen Stadionneubau. Dafür gibt es sogar schon eine fertige Planung inklusive Standortanalyse, die pikanterweise das offizielle Stadt-Logo trägt. Man könne nicht mehr nachvollziehen, ob das abgestimmt worden sei, sagte Stadt-Sprecher Mathias Merz. Um den Weg für einen Neubau frei zu machen, muss zunächst das alte Vorhaben beerdigt werden. Genau das schlägt die Verwaltung dem Stadtrat vor: statt einer Fußballarena mit unberechenbaren Kosten eine Sport- und Freizeitanlage für 5,8 Millionen Euro zu bauen. Der städtische Eigenanteil sollte bei maximal 2,6 Millionen Euro liegen.

Zu viel, meinten die Fraktionen SPD/Grüne und Linke, die den städtischen Eigenanteil um 400.000 Euro kürzen wollen. Nach mehreren Sitzungen haben sich der Bau- und Verkehrsausschuss sowie der Finanzausschuss vorige Woche schließlich hinter diese Forderung gestellt. Im Rathaus hat dieser Vorstoß hektische Betriebsamkeit ausgelöst. In einer am Wochenende verbreiteten zweiseitigen Stellungnahme warnt Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) vor dem Vorstoß ihrer eigenen Fraktion, den städtischen Eigenanteil zu kürzen. Weniger Eigenmittel, so die OB, hieße weniger Fördermittel – und somit weniger Gesamtmittel. Von der multifunktionalen Sport- und Freizeitanlage mit Beachvolleyball- und Tennisplätzen würde nur ein einfacher Fußball-Rasenplatz übrig bleiben. Nach Ansicht der Oberbürgermeisterin ist damit die gesamte Förderung gefährdet. Schlimmstenfalls, so Findeiß weiter, muss Zwickau sogar knapp 900.000 Euro bereits überwiesene Fördermittel zurückzahlen.

SPD/Grüne-Fraktion wackelt

Einige Stadträte halten das für eine leere Drohgebärde. Aber zumindest bei der SPD scheint die Oberbürgermeisterin Erfolg zu haben. Fraktionsgeschäftsführer Werner Fischer wollte sich jedenfalls gestern nicht festlegen, ob die SPD/Grüne bei ihrem Vorschlag bleiben, den städtischen Eigenanteil für den Schmalspurumbau des Westsachsenstadions zu kürzen. “Vielleicht gibt es ja noch einen anderen Kompromiss”, orakelte Fischer. Die Linksfraktion dürfte freilich bei ihrer Auffassung bleiben, dass ein Rasenplatz reicht.

Der Stadtrat wird am Dienstag zuerst über die Empfehlung der beiden Ausschüsse mit dem gekürzten Eigenanteil der Stadt abstimmen. Bei einem Ja wird der Verwaltungsvorschlag entsprechend geändert. Bei einem Nein kommt der ursprüngliche Verwaltungsvorschlag mit dem ungekürzten Eigenanteil von 2,6 Millionen Euro zur Abstimmung. Ein Ja dazu wäre dann logisch. Aber was ist schon logisch bei diesem Thema? Sollte der Stadtrat mit Nein stimmen, geht das ganze Spiel zurück auf Los. Dann bleibt es bei dem bislang gültigen Beschluss vom Oktober 2009, das Westsachsenstadion zu einer Fußballarena umzubauen.

Service

Die Sondersitzung des Stadtrates beginnt 18 Uhr im Rathaus. Die Bürgerinitiative Pro Wesa wird ab 17 Uhr auf dem Hauptmarkt demonstrieren. Die Demo ist angemeldet. Pro Wesa setzt sich für den Umbau des Westsachsenstadions zur Fußballarena ein.


Stadtverwaltung drängt auf Vorhabensbeschluss

In der heutigen Stellungnahme der Stadtverwaltung, schlägt diese dem Stadtrat vor, das Vorhaben der Breitensportanlage (Kunstrasen, Beachvolleyballplatz, etc.) zu beschließen. Hintergrund ist, dass der Bau-, Verkehrs- und Finanzausschuss die ursprüngliche Beschlussvorlage abgeändert hat (Dokumente liegen uns leider nicht vor) und die Eigenmittel der Stadt reduziert hat, was aber ebenfalls eine Kürzung der Fördermittel nach sich ziehen würde.

Interessierte können sich hier vertiefen.

Wir hoffen in diesem Atemzug, dass der Stadtrat das Vorhaben erneut vertagt und somit Zeit schafft. Zeit für den notwendigen Meinungsbildungsprozess aller!

WEITERSAGEN: Morgen um 17 Uhr Demo auf dem Hauptmarkt und anschließend zur Stadtratssitzung ins Rathaus!


MoPo / 04.11.11: “Stadionstreit! Neef stellt klar: Für uns steht nur Neubau zur Debatte”


DAZ-Fraktion / 05.11.11: “WESA – Ein Stadion für Zwickau”

“Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach” – dieses eigentlich bestens bekannte Sprichwort scheint den Politikern und Verantwortlichen der Stadt Zwickau offensichtlich nicht geläufig zu sein.

Denn die Ergebnisse aus den Stadtratssitzungen und dem Bau- und Verkehrsausschuss muten einer Provinzposse an. So gut wie keiner redet Klartext, die Meisten geben sich mehr oder weniger geschickten Wahlformulierungen hin, ohne auch nur ansatzweise die finanziellen Möglichkeiten der Stadt Zwickau verantwortungsvoll im Blick zu haben.

Natürlich wäre ein Stadion “auf der grünen Wiese” mit Drittligatauglichkeit toll für die Stadt. Nur eine Frage muss gestellt und darf nicht tabuisiert werden: Hat die Stadt das Geld hierfür? Ist ein Stadion mit einem Investitionsvolumen von bis zu 30 Mio. Euro momentan, d.h. heute, überhaupt finanzierbar?

Die Fraktion DAZ will verhindern, dass bei dem zu beobachtenden Ränkespiel ein Ergebnis manifestiert wird, welches keiner haben wollte. Die Fraktion DAZ befürchtet, dass das Verhalten aller Beteiligten dazu führen wird, dass Zwickau weder ein Drittliga- noch ein Viertligastadion, sondern an Stelle dessen eine Breitensportanlage mit Beachvolleyballplätzen und anderem Schnickschnack für “schlappe” 10 Mio. Euro bekommen wird. Der Anfang ist ja bereits gemacht: Das alte WESA-Stadion ist schon zur Bauruine degradiert. Und im Stadtrat wird hastig über teure Sicherungsmassnahmen diskutiert, um zu verhindern, dass an der Ruine weitere Bauschäden in Folge des zu erwartenden Wintereinbruchs entstehen.

Die Fraktion DAZ ist gegen eine solche beispiellose Geldvernichtung und fordert daher den Ausbau des WESA-Stadions zum Viertligastadion ohne Breitensportanlage mit einem derzeit geschätzten Investitionsvolumen von 12 Mio. Euro. Der Ausbau hat so zu erfolgen, dass in einem zweiten Schritt das fertig gestellte Viertligastadion zu einem Drittligastadion weiter ausgebaut werden könnte, wenn die Finanzierung von derzeit geschätzten zusätzlichen 16 Mio. Euro Investitionsvolu­men sicher gestellt ist.

Alles Weitere – welches im Rahmen des Möglichen sinnvoll und kostenverträglich ist – wird dann zu entscheiden sein, wenn zusätzliche finanzielle Mittel in Zukunft bereit stehen.

Hoffentlich bleibt Zwickau die teuerste Variante erspart: Ein Neubau des “Traumstadions” durch einen privaten Investor, der die Stadt für 25 Jahre langfristig an die finanzielle Kette legen wird: Gerüchten zufolge arbeitet die Stadtspitze schon fleißig an dieser Variante – die Nettomiete würde unseren Information nach mindestens 1,2 Mio. Euro pro Jahr betragen, auf die noch geschätzte jährliche Betriebskosten von ca. 0,9 Mio. Euro hinzukommen. Und das wäre dann eine finanzielle Belastung von mehr als 50 Mio. Euro – nach Adam Riese natürlich…

Quelle


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